Zimmer

Kommentar zu Berichterstattung des Spiegel

Dr. Stefan Zimmer widerspricht aktueller Berichterstattung des Wochenmagazins Der Spiegel zur Zahngesundheit von Kindern.

In seiner Ausgabe vom 19.12.2020 schreibt der Spiegel zum Artikel „Das Aufbauprogramm“ als Unterschrift zum Aufmacherfoto, das Kleinkinder beim Zähneputzen zeigt: „Einmal am Tag putzen reicht, dafür aber besonders gründlich“. Online ist der Artikel für Abonnenten sogar unter der Überschrift Einmal Zähneputzen am Tag reicht verfügbar.

Diese Aussage ist wissenschaftlich nicht haltbar und gefährdet jahrzehntelange erfolgreiche Bemühungen für eine bessere Zahngesundheit der Bevölkerung Deutschlands. Die allgemeine These, dass einmal Putzen pro Tag ausreicht, um die Zähne vollständig von bakteriellem Biofilm zu befreien, kann in Einzelfällen zutreffend sein, ist aber für die Allgemeinbevölkerung illusorisch.

Empfehlung: zweimal tägliches Zähneputzen

Studien zeigen, dass selbst nach durchschnittlich gut fünfminütigem Zähneputzen noch Zahnbeläge in erheblichem Umfang vorhanden sind. Aus diesem Grunde empfehlen die einschlägigen wissenschaftlichen Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin und Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung zweimal tägliches Zähneputzen.

Nach den Empfehlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) soll in der Kita ein drittes Mal geputzt werden. Da auch mit regelmäßigem guten Zähneputzen kaum je ein perfektes Ergebnis erzielbar ist, braucht es eine fluoridhaltige Zahnpasta zum zusätzlichen Schutz vor Karies. Diese ist die weltweit häufigste Erkrankung überhaupt und betrifft in Deutschland nahezu 100% der Erwachsenenbevölkerung. Im Gegensatz zur Parodontitis, die in nennenswertem Umfang erst bei Erwachsenen auftritt, befällt sie bereits Kinder ab dem ersten Zahn.

Wissenschaftlich auf höchstem Niveau belegt

Vielfältige präventive Maßnahmen haben in den vergangenen 30 Jahren dafür gesorgt, dass wir bei der Zahngesundheit zwölfjähriger Kinder vom Schlusslicht zum internationalen Spitzenreiter wurden. Ein wesentlicher Baustein war und ist das mindestens zweimal tägliche Putzen mit Fluoridzahnpasta. Die zur Kariesvorbeugung erheblich bessere Wirkung des zweimal täglichen Putzens mit Fluoridzahnpasta gegenüber dem einmaligen Gebrauch ist wissenschaftlich auf höchstem Niveau belegt.

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Stefan Zimmer
Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin