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In-vitro-Studie zur Bestimmung der Abrasivität verschiedener Zahnpasten auf Dentin mithilfe der Profilometrie

Ein Wissenschaftsbeitrag aus der PI 4/2021 von Felicitas Müllner, Mozghan Bizhang.

Quintessenz für das Praxisteam

Die Anzahl der Patienten mit überempfindlichen Zahnhälsen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Diese Patienten suchen Rat in der zahnärztlichen Praxis. Ein wichtiger Aspekt, der vom Praxisteam beachtet werden muss, ist der RDA-Wert der Zahnpasten. Die neue EN ISO11609:2017-09 beschreibt die Bestimmung des RDA-Wertes von Zahnpasten mit Hilfe der Profilometrie (RDA-PE) ohne dieVerwendung umwelt- und gesundheitsschädigender (radioaktiver) Substanzen. Diese Studie befasst sich mit der Bestimmung des Relative Dentine Abrasion-Profilometry Equivalents (RDA-PE) vier verschiedener Zahnpasten mit Hilfe der optischen Profilometrie.

Zusammenfassung

Ziel der Studie war es, die Abrasivität vier verschiedener Zahnpasten mithilfe der optischen  Profilometrie  zu  ermitteln  und  in Korrelation zu deren RDA-Wert zu bringen. Hierzu wurden randomisiert 108 humane Dentinproben  auf  Höhe  der  Schmelz-Zement-Grenze aus impaktierten Weisheitszähnen entnommen. Jede Probe hatte einen  Durchmesser  von  5  mm  und  eine Mindestdicke von 2 mm. Jeweils drei Proben  wurden  in  eine  Kunststoffplatte  eingebettet und plan geschliffen. Die Politur erfolgte mit Polierscheiben bis 2.000 Körnung. Vor dem Putzvorgang wurden die Probenplatten hälftig mit Klebeband abgedeckt. Anschließend wurden für die vier Testgruppen folgende Zahnpasten ausgewählt:  

A) Colgate max fresh,

B) Odol-med 3 extreme clean,

C) Blend-a-med Extra Frisch,

D) Blend-a-med Tiefenreinigung.

Für die Kontrollgruppe wurde destilliertes Wasser verwendet, eine weitere Gruppe durchlief diesen Putzvorgang mit einem Referenzslurry (R-4000). Alle Gruppen wurden mit 4.000 Bürstzügen (Strokes) geputzt. Zur Validierung wurde die Referenzgruppe anschließend mit weiteren 6.000 Strokes geputzt (R-10000)  [1].  Aus  dem  Quotienten  der Mittelwerte des Referenzslurrys konnte die proportionale Linearität ermittelt werden.
Diese muss in einem Bereich zwischen 2,2 und 2,8 liegen. Die proportionale Linearität in der vorliegenden Studie betrug 2,49. Der
Vorgang war validiert.

Für  den  Putzvorgang  wurden  eine  Custom-made Zahnputzmaschine der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin  der  Universität  Witten/Herdecke  (Ingpuls  GmbH,  Bochum)  und  ADA-Referenzzahnbürsten mit einem Anpressdruck von 1,5 N verwendet.
Im Anschluss wurde der Höhenunterschied zwischen  geputztem  und  nicht  geputztem Bereich aller Proben mithilfe der optischen Profilometrie  gemessen.  Für  jede Probe wurden fünf Abtragswerte erhoben. Die Arbeitshypothese ging davon aus, dass der Relative Dentine Abrasion-Profilometry Equivalent (RDA-PE) -Wert vier verschiedener Zahnpasten mithilfe der optischen Profilometrie ermittelt werden kann.

Die statistische Auswertung der Ergebnisse fand mittels Kolmogorov-Smirnov-Test und ANOVA mit Bonferroni-Korrektur statt. Das Signifikanzniveau lag bei p < 0,05. Folgende Mittelwerte der RDA-PE-Werte  (±  StA)  wurden  für  die  Test-  und  Kontrollgruppen ermittelt:

Gruppe A (Colgate max fresh) 29,66 (13,55),
Gruppe B (Odol-med 3 extreme clean) 14,83 (5,27),
Gruppe C (Blend-a-med Extra Frisch) 90,71 (30,93),
Gruppe D (Blend-a-med Tiefenreinigung) 225,32 (85,03), Wasser 10,68 (3,17), R-4000 100 (0) und R-10000 248,92 (31,74).

Um die RDA PE-Werte zu berechnen, muss der Substanzverlust der Gruppe R-4000 mit einem RDA-Wert von 100 gleichgesetzt werden. Mithilfe  einer  Formel  lässt sich nun der RDA-PE-Wert berechnen. Dieser wird direkt aus dem vorliegenden Dentinverlust ermittelt, sodass die Aussagekraft verbessert wird.

Im Rahmen der vorliegenden Studie könnte die RDA-PE-Methode eine Alternative zur RDA-Methode darstellen, um die Abrasivität von Zahnpasten zu bestimmen. Der Dentinverlust wurde hierbei mit einem optischen Profilometer erfasst und in den entsprechenden RDA-PE-Wert umgerechnet.

 

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